Vulkane auf Kamtschatka und in Armenien

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Weltweit gibt es unzählige Vulkane – die meisten davon sind bereits seit tausenden von Jahren erloschen. Doch hie und da gibt es noch aktive Vulkane, in denen es tief im Inneren brodelt oder sogar zum Ausbruch kommt. Fun Fact: ein Vulkan gilt erst dann als erloschen, wenn er innerhalb der letzten 10 bis 20 Tausend Jahre nicht mehr ausgebrochen ist. Das klingt nach einer sehr langen Zeitspanne, doch angesichts der Vergangenheit unserer Erde und ihrer Entstehung, ist es nur ein sehr kleines Zeitfenster. Vulkane haben zudem großen Einfluss auf die Entwicklung unseres Planeten, wie wir ihn heute kennen, gehabt. Tatsächlich sind über 80 Prozent der Erdoberfläche, über und unter dem Meeresspiegel vulkanischen Ursprungs. In einigen unserer Reiseziele, zum Beispiel in Armenien und auf Kamtschatka in Russland, können wir die Auswirkungen dieser Naturgewalten hautnah bestaunen.

Geschichte der Vulkane

Kamtschatka PlattentektonikDie Landschaft auf Kamtschatka wird durch Vulkane und ihre schneebedeckten Spitzen bestimmt und die Vulkanregion wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Insgesamt gibt es dort über 160 Vulkane. Ungefähr 30 davon werden noch als aktiv eingestuft und deswegen wird die Halbinsel im Osten Sibiriens auch oft als Reich der Vulkane bezeichnet – denn eine höhere Dichte aktiver Vulkane gibt es weltweit nirgendwo anders. Trotzdem ist Russland nicht das Land mit den meisten Vulkanen der Erde und liegt mit 77 Vulkanen knapp hinter der USA, die 84 Vulkane beheimatet. Dort liegt auch einer der gefährlichsten Supervulkane der ganzen Welt, im Yellowstone Nationalpark.
Wesentlich ungefährlicher sind hingegen die Vulkane in Armenien, denn dort befinden sich zum einen weniger Vulkane als auf Kamtschatka, und sie werden allesamt als nicht aktiv eingestuft. So kann man die schneebedeckten Gipfel der erloschenen Vulkane ohne Sorgen vor einem Ausbruch genießen.

Aber was passiert bei einem Vulkanausbruch eigentlich?
Die Kräfte der Plattentektonik lassen die Vulkane wachsen. Die heißen Temperaturen des Erdkerns und der hohe Druck im Erdmantel bringen Gestein zum Schmelzen. So entsteht Magma, welches sich ausdehnt und zunächst in Hohlräumen sammelt. Wenn nach einiger Zeit die Magmakammern vollständig gefüllt sind, laufen sie über und das heiße Magma dringt nach außen. Wir sehen dieses Austreten der glühend heißen Lava als Vulkanausbruch. Es kann dabei auch zu gewaltigen Explosionen kommen, die große Mengen Gestein wegsprengen.
Aber keine Sorge! Da Kamtschatka nur gering besiedelt ist, werden durch die Ausbrüche selbst und die austretenden Lavaströme nur sehr selten Menschen gefährdet. Die aufsteigenden Aschewolken hingegen können Kilometer weit in den Himmel ragen und den Flugverkehr beeinträchtigen.

Die Vulkane auf Kamtschatka

Die meisten aktiven Vulkane Kamtschatkas reihen sich im Südwesten der Insel dicht aneinander und sind somit Teil des „pazifischen Feuerrings“, der für vulkanische Aktivität und Erdbeben bekannt ist. Der höchste Vulkan der Insel ist der Kljutschewskaja Sopka mit 4750 Metern. Sopka ist Russisch und bedeutet kegelförmiger Berg, bzw. Vulkan. Er bricht ungefähr alle zwei bis fünf Jahre aus und ist somit auch einer der aktivsten Vulkane der Welt. Die Eruptionen dauern meist mehrere Wochen.

Spuren des letzten Ausbruchs des Tolbatschik

Der Tolbatschik gehört zu den größten Vulkanen, ist 3682 m hoch und zuletzt im Jahre 2013 ausgebrochen. Während des Ausbruchs entstanden unter anderem hohe Aschewolken und die Asche bedeckte die umliegende Region. Dadurch entstand auch der bekannte „Dead Forest“. Die Bäume dort sind nicht direkt durch die Lavaströme verbrannt, sondern durch die Asche und Gase abgestorben. So stehen heute noch kahle Stämme, ohne Blätter oder Zweige, wie ein Mahnmal im dunklen Sand. Mittlerweile erholt sich die Natur in diesem Lebensraum wieder. So wirkt der Dead Forest gar nicht mehr so trostlos.

Dead Forest Tolbatschik

Vulkan Höhle auf KamtschatkaDer Vulkanausbruch dauerte über mehrere Wochen und das Material bestand aus zahlreichen Gesteinsarten und Materialien. Beim Abfließen der Lavaströme aus dem Vulkan über mehrere Schichten kommt es zu unterschiedlichen Auskühlungen, Fließgeschwindigkeiten und Explosionen durch die Gasgemische. So entstehen zahlreiche unterirdische und offene Höhlen auf den nun begehbaren Lavafeldern. Während manche Höhlen bitterkalt sind, mit teilweise gefrorenem Wasser, erinnern andere an Dampfbäder mit extremer Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen. Manche Höhlen sind wie ein Labyrinth miteinander verbunden.
An den Hängen der kleineren Vulkankegeln, welche durch den Ausbruch am Fuße des Tolbatschik entstanden sind, kann man an manchen Stellen immer noch ein Feuer entzünden oder sogar Essen kochen.

Neben den Abenteurerhungrigen, die sich in diese Gegend begeben, sind die Vulkane auf Kamtschatka besonders bei Forschenden sehr beliebt. Denn die Besonderheit an den Ausbrüchen des Tolbatschik ist, dass er im Durchschnitt alle 20 Jahre ausbricht und aufgrund dieses Rhythmus der Ausbrüche in seiner Nähe die Alterung der Lavafelder intensiv verfolgt werden kann. Die Entstehungsjahre der Lava, die bei den verschiedenen Ausbrüchen hervorgetreten ist, sind deutlich an den Stufen der Lavafelder zu erkennen. Die Lavafelder sind beeindruckende Mineralienfundorte, mit bisher 280 verschiedenen Mineralen, von denen 130 bis Ende 2020 erstmalig am Tolbatschik gefunden wurden. So bietet die Region rund um den zweigipfligen Tolbatschik eine hervorragende Forschungsdestination für Forschende der Disziplinen Geologie und Botanik. Durch die zahlreichen Mineralien und Gesteinsarten ist auf den alten Lavafeldern ist ein gigantisches Farbenspiel zu erkennen.

Farbiges Gestein am Tolbatschik

Etwas abseits – der Ichinsky

Außerhalb des pazifischen Feuerrings gibt es nur noch einen einzigen aktiven Vulkan – den Ichinsky. Dieser ist insgesamt 3621 Meter hoch, und somit der höchste Gipfel der westlichen Bergkette. Der letzte Ausbruch des Ichinsky wird auf die Mitte des 18. Jahrhunderts datiert, die heutige Aktivität besteht ausschließlich aus dem Austritt vulkanischer Dämpfe, bestehend aus Wasserdampf und vulkanischer Gase. Normalerweise deuten diese Dampfaustritte, auch Fumarolen oder Solfataren genannt, auf abklingenden Vulkanismus hin. Bei Veränderung z.B. der Temperatur des Dampfes sind sie als Hinweis auf erneut ansteigende vulkanische Aktivität zu deuten.

Kamtschatka Vulkane SchwefelAm Mutnovsky nah dran

Hautnah erleben lässt sich die vulkanische Aktivität auf Kamtschatka am Mutnovsky. Die Besonderheit an diesem 2322m hohen, immer noch aktiven Vulkan besteht darin, dass man direkt in den Krater gehen kann und so einen einmaligen Eindruck dieses Naturspektakels bekommt. Die Dämpfe stinken stark nach Schwefel und ein kleiner Fluss fließt durch den Krater.

Am Fuße des Mutnovsky befindet sich ein Geothermie-Kraftwerk, welches ungefähr 30% der Stroms für Kamtschatka generiert. Das geothermische Wasser spielt für die Versorgung der Insel eine große Rolle, denn letztlich werden alle Siedlungen, außer Petropawlowsk-Kamtschatski von der Geothermie mit Warmwasser, für den Gebrauch und für die Heizung versorgt. Die Siedlungen sind damit sehr klimaneutral unterwegs, und nutzen das sehr heiße Wasser direkt aus dem Boden. Oft findet man im Dorf überall offen liegende Leitungen mit heißem Wasser. In Esso zum Beispiel speist das Wasser ein thermales Schwimmbad, das so heiß ist, dass man eigentlich nicht länger als 20 Minuten drinbleiben sollte.

FernWind-Reisen mit Vulkan-Aussicht

Unsere Expedition 2021 führte uns entlang des Ichinsky durch Kamtschatka, und zusätzlich waren wir auch am Tolbatschik unterwegs. Allerdings ist die Region um den Tolbatschik touristisch bereits erschlossen und somit für uns lediglich ein kurzer Stopp auf dem Weg in die Wildnis Kamtschatkas.

Als Kontrast zu der starken vulkanischen Aktivität in einem einsamen Gebiet, finden sich Vulkane mit umfassender menschlicher Geschichte in Armenien. Die neun Vulkane des Landes sind alle erloschen und der höchste Gipfel des Landes ist der Mount Aragats mit 4.095m. Er ist deutlich sichtbar von Armeniens Hauptstadt Jerewan, und in weniger als zwei Stunden mit dem Auto erreichbar. Der Vulkan hat vier Gipfel und spielt eine große Rolle in der armenischen Kultur, Kunst und Literatur. Es ranken sich zudem viele Legenden um das gewaltige Bergmassiv und es wurden Felsmalereien und Petroglyphen gefunden, die sich auf das erste bis vierte Jahrtausend v. Chr. datieren lassen. Auf den Hängen des Aragats wurden auch geschichtlich relevante Bauwerke wie Klöster, Mausoleen und Festungen gefunden.

FernWind Expeditionsgruppe Kamtschatka mit Vulkan

Expeditionsteam auf Kamtschatka, 2021

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