Trekking in Bärengebieten

 In outdoor

Du hast ein neues Trekkingabenteuer geplant, und diesmal verläuft die Route durch die Karpaten, Nordamerika oder durch ein europäisches Gebiet in dem nachweislichen Bären beheimatet sind? Oder du interessierst dich für unsere Kamtschatka Expedition? Dann gilt es einiges zu beachten. In diesem Beitrag erfährst du mehr darüber, wie du dich beim Trekking in Bärengebieten verhalten solltest und welche Vorsichtsmaßnahmen es zu beachten gilt, sollte es zu einem Zusammentreffen mit Bären kommen.

Wann kann es zu Übergriffen kommen?

Bärenangriffe können vorkommen, sind aber grundsätzlich in den meisten Gegenden weltweit eher sehr selten. Es gilt sich vor Augen zu führen, dass die meisten Unfälle dann passieren, wenn ein Bär plötzlich überrascht wird, dich als Nahrungskonkurrent betrachtet, oder eine Bärin mit ihren Jungen sich durch dich bedroht fühlt. Dabei zeigen unterschiedliche Statistiken, dass insbesondere Waldarbeiter von Unfällen betroffen sind, welche sich alleine in unzugänglichen Gebieten aufhalten. Die Unfallszenarien unterscheiden sich dabei von Bärenregion zu Bärenregion, da es verschiedene Bärenarten gibt. Denn je nach Art kommen Übergriffe auf den Menschen nachweislich häufiger oder kaum bis gar nicht vor.

So finden beispielsweise in Indien jährlich einige Angriffe durch Lippenbären und in Nordamerika insbesondere Vorfälle mit Schwarzbären statt. Es wird angenommen, dass Schwarzbären dort häufiger zu Angriffen tendieren als andere Bärenarten, da diese kürzere Krallen haben, und deshalb bei Nahrungsknappheit weniger leicht auf Wurzeln und Knollen zurückgreifen können. Auch in Mitteleuropa kommt es zu Übergriffen auf den Menschen durch Braunbären, aber diese sind enorm selten.

Kamtschatkabär

Ein Sonderfall: Der Kamtschatkabär

Im Zielgebiet einer unserer Expeditionen, Kamtschatka, lebt der Kamtschatkabär. Dieser gilt wiederum im Vergleich zu anderen Bärenarten als harmloser. Die genaue Anzahl auf der Halbinsel ist unbekannt, die Zahlen reichen von 25.000 bis zu nur noch 8.000 Stück. Aufgrund des Nahrungsüberflusses von Rotlachs agiert der Kamtschatkabär sehr ausgeglichen und sieht im Menschen keineswegs eine Nahrungsquelle. Die geringe Bevölkerungsdichte auf Kamtschatka trägt dazu bei, dass der Bär sich nicht schnell durch den Menschen bedroht fühlt. Da der Kamtschatkabär auch noch nicht an den Menschen gewöhnt ist, ergreift dieser meist sofort verschreckt die Flucht, wenn er auf sie stößt.

Der Kamtschatkabär ist der zweitgrößte Braunbär der Welt, der im Vergleich zu seinen anderen Verwandten noch ein ganz anderes Mensch-Bär-Verhältnis aufweist. Um die junge Generation in Kamtschatka zu stärken, werden seit mehreren Jahren auf Kamtschatka Bärensensibilisierungsprogramme für Kinder durchgeführt. Diese Programme klären die junge Generation darüber auf, dass es wichtig ist der Überfischung von Rotlachs in der Zukunft langfristig entgegenzuwirken. Ziel ist es, das Verhältnis von Mensch und Bär in der Region Kamtschatka in einem angenehmen Gleichgewicht zu halten. Denn solange dem Kamtschatkabär ein ausreichendes Nahrungsangebot zu Verfügung steht, wird dieser die Nähe zum Menschen in jeder Form meiden.

Die meisten Bären weltweit sind grundsätzlich sehr scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg. Da Sicherheit aber an erster Stelle auf jeder Tour stehen sollte, kann Wissen über richtiges Verhalten sowie die richtige Vorbereitung präventiv und unterstützend wirken. Gute Vorbereitung ist dabei essentiell.

Vorbereitung aufs Trekking in Bärengebieten

Trekking im Bärengebiet Kamtschatka

Bei deiner Planung solltest du dich stehts vorab informieren, ob es von den örtlichen Behörden Warnhinweise gibt, die den Umgang mit Bären betreffen. Es kann auch sein, dass es sich um ein Bärengebiet handelt, in dem keine Gefahr von Bären ausgeht. Bärenwarnungen durch Nationalparkzentren, sowie Hinweise von Einheimischen, sollten dabei von dir stehts ernst genommen werden. Ebenso kann die Jahreszeit von großer Relevanz sein, da es für viele Gebiete Perioden gibt, in denen du sie auf keinen Fall betreten solltest. Neben einer gründlichen Informationsrecherche kann es sinnvoll sein, in gewissen Gegenden ein Bärenspray auf Tour mitzuführen. Das wird dann griffbereit am Rucksack befestigt. Bärensprays sind nicht überall erlaubt, weshalb du dich natürlich vorab darüber informiert solltest, ob du es mitnehmen darfst.

Während meiner Outdoor Guide Ausbildung habe ich gelernt, dass es selbst für erfahrene JägerInnen oft nicht sinnvoll ist, zum Schutz vor Bären eine Schusswaffe mitzuführen. Denn kommt es zu einem plötzlichen Zusammentreffen mit einem Bären, kann der Gebrauch von einer Schusswaffe zur Verteidigung zum eigenen Nachteil werden. Um einen tödlichen Schuss abzusetzen, muss präzise geschossen werden, was bei einer nervenaufreibenden und plötzlichen Bärenbegegnung meist nicht möglich ist. Bären können leicht über 30 km/h schnell laufen. Somit wird grundsätzlich von der Benutzung einer Schusswaffe bei plötzlichen Bärenkontakt abgeraten, da ein tödlicher Schuss schwer zu setzen ist, und auch ein verletzter Bär dich noch erreicht. Bei Touren in Grönland kann aber eine Schusswaffe als präventives Mittel eingesetzt werden. Sie wird von vielen Guides mitgeführt, um Eisbären auf weite Distanzen durch Warnschüsse abzuschrecken.

Verhalten beim Trekking im Bärengebiet

Die Regel Nummer eins ist es, Bärenkontakt grundsätzlich zu vermeiden! Sich in einer Gruppe zu bewegen bietet dir dabei schon einen wesentlich höheren Schutz als wenn du alleine unterwegs bist. Der Bär wird euch womöglich von wesentlich weiterer Entfernung durch eure Lautstärke wahrnehmen und flüchtet. Denn wie oben aufgeführt, hat der Bär wenig Interesse euch zu begegnen. Bewegt man sich fernab von üblichen Wegen wird geraten, klapperndes Kochgeschirr am Rucksack zu befestigen oder ein klingelndes Glöckchen am Rucksack zu haben. Auch lautes Singen und Sprechen ist sinnvoll. Insbesondere an rauschenden Flüssen und vor dem Durchqueren von Dickichten sollte Lärm gemacht werden.

Bärenpfotenabdruck mit Menschenhand danebenWährend dem Trekking kann auch aktiv nach Bärenspuren Ausschau gehalten werden. Du erkennst sie anhand von aufgewühltem Boden, welcher nicht den typischen überlappenden Aufschub der Erde von Schwarzwildschnauzen aufweist, eventuellen Trittsiegeln und stark abgeschälter Rinde an Bäumen. Werden diese Spuren gesichtet, sollte umso mehr darauf geachtet werden, sich lautstark fortzubewegen um plötzlichen Zusammenstößen vorzubeugen. Nimmst du Aasgeruch wahr, gilt es sich umgehend in eine andere Richtung zu entfernen.

Verhalten im Camp und am Schlafplatz

Je nach Bärenregion gibt es unterschiedliche Empfehlungen wie man sich an der Campstelle verhalten soll. Auf der Peaks of Balkan Route sind nachweislich Bären in Albanien beheimatet, dennoch verweist die zuständige Behörde darauf, dass keine Maßnahmen direkt am Schlafplatz aufgrund von Bären beachten werden müssen. Anders beispielsweise in häufig besuchten Regionen in Kanada oder Nordamerika. Hier gilt es als eine sehr wichtige Regel, dass Nahrungsmittel und Hygieneartikel sorgfältig aufbewahrt werden müssen.

Räumliche Trennung

Die sogenannte „Bearmuda Triangle“ Regel bedeutet, Essensplatz, Schlafplatz und Lagerplatz getrennt sind. Und zwar mindestens hundert Meter vom Zeltplatz entfernt das Essen zubereiten, sowie hundert Meter weiter das Essen mindestens 4,5 Meter hoch in einem Beutel am Baum verstauen. Eine weiter Möglichkeit bietet ein bärensicherer Aufbewahrungsbehälter, welcher an einem Ast befestigt werden kann. In manchen Nationalparks in Nordamerika gibt es extra vorgefertigte Plätze, an denen konkrete Vorrichtungen angebracht sind, um das Essen in die Bäume zu ziehen. Es gibt unterschiedliche Vorgaben, ob ein bärensicherer Aufbewahrungsbeutel verpflichtend ist oder nicht.

Gerüche vermeiden

Ebenso sollte darauf geachtet werden, nicht am Schlafplatz die Zähne zu putzen sowie Klamotten zum Schlafengehen zu tragen, welche keinen Essensgeruch an sich haften haben. Außerdem sollte sich der Schlafpatz nicht in Windrichtung der Koch-, und Aufbewahrungsstelle befinden. Generell sollen alle Lebensmittel auf Tour möglichst geruchsdicht verschlossen werden. Aufgerissene Packungen erfüllen diesen Zweck meist nicht. Es empfiehlt sich also, bereits im Vorfeld die Lebensmittel in fest und wieder verschließbare Behälter zu füllen. Wie angeführt sind diese Empfehlungen aber von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich, da es ganz auf die spezielle Bärenart und lokale Gegebenheiten ankommt.

Müll verbrennen

Die zuständige Nationalparkbehörde in der Region Kamtschatka, in der unsere Expedition stattfindet, schreibt dieses Verhalten nicht direkt vor. Grund dafür ist, dass der Kamtschatkabär die Nähe zu Menschen in jedem Fall vermeidet und auch durch den Nahrungsüberfluss kein Interesse an der Trekkingnahrung mitbringt. Dennoch bewahren auch wir auf Tour die Lebensmittel sorgfältig auf. Deswegen wird der Müll, der nach Essen riechen könnte, auf der Kamschatka-Expedition verbrannt. Dazu zählen auch Müsliriegel-Verpackungen oder Konservendosen. Dies ist auch eine klare Anweisung an die Teilnehmer*innen der Tour. Jeden Abend verbrennen wir diese Art von Müll am Lagerfeuer. Uns ist bewusst, dass das mit Blick auf die Nachhaltigkeit ein Desaster ist, aber es ist eine präventive Bärenmaßnahme, die wir unsererseits strikt einhalten, um unliebsamen Besuch zu verhindern. Außerdem gibt es auf Kamtschatka leider keine sinnvolle Müllentsorgung. Daher unterscheidet sich diese Entsorgung von Müll nicht grundlegend.

Und was ist, wenn es doch zu einem Zusammentreffen mit Bären kommt?

Die erste Regel ist, dass du dich niemals einem Bären nähern darfst, wenn du ihm begegnest! Ebenso solltest du niemals hektisch die Flucht ergreifen und davonrennen. Vor allem, weil du ihm dann deinen Rücken zukehrst, was den Jagdinstinkt wecken könnte. Auch wenn dir in der Situation das Adrenalin in den Körper schießt, gilt es sich ganz ruhig zu verhalten, keine schnellen Bewegungen zu machen und die Situation einzuschätzen. Denn je nach Situation kann die richtige Verhaltensweise enorm wichtig sein.

Grundlegendes Verhalten

Meistens sucht der Bär direkt das Weite. Es ist eher sehr selten, dass der Bär dich als Nahrung oder Bedrohung wahrnimmt. Er nähert sich eher aus Neugierde oder, um dich Einzuschätzen. Nicht, weil er dich direkt angreifen will. Mache Bären tendieren auch zu sogenannten Scheinattacken, die auf Englisch Bluffs genannt werden. Dabei greift der Bär nicht an, sondern macht nur einen Satz in deine Richtung. Wenn der Bär zu Scheinattacken übergeht oder aktiv versuchen, sich dir zu nähern, solltest du stehen bleiben oder vorsichtig rückwärts gehen. Dabei ist es wichtig, mit tiefer Stimme und bösem Rufen oder lautem Klappern von Campinggeschirr zu versuchen, den Bär auf Abstand zu halten. Ebenso sollte man sich groß machen und die Arme, wenn möglich, ausbreiten.

Hilfsmittel bei Bärenkontakt

Falls ein Bärenspray zu Hand ist, dieses mit ruhiger Hand in Richtung Bär halten. Bärensprays funktionieren erst ab etwa 18 Metern, daher sollte dieses nicht zu früh eingesetzt werden. Ebenso sollte sich die Gruppe formieren und aktiv gemeinsam gleichzeitig laut rufen oder Lärm zu machen. Magnesiumfackeln können wie kleine Leuchtraketen ebenso im Falle einer Attacke als Abschreckung dienen. Auf Kamtschatka verwenden wir bei unserer Expedition Magnesiumfackeln und kleine Leuchtraketen. Diese haben sich als sehr nützlich erwiesen und können auch im absoluten Ernstfall verwendet werden. Sie sind aber grundsätzlich dazu da, schon präventiv Bärenkontakt vorzubeugen. Wir verwenden diese beim Zeltplatzaufstellen oder bei einer Flussüberquerung. Der laute Knall, das Feuer und der Rauch vertreibt den Bären.

Mutter und Jungtiere

Kommt es zu einem Zusammentreffen mit einer Bärenmutter mit Jungen, sollte man sich in diesem Fall direkt vorsichtig zurückziehen, um keine Bedrohung darzustellen. Steht man im Weg der Bärin mit ihren Jungen sollte ihnen soviel Platz wie möglich zum Passieren eingeräumt werden.

Bärenangriffe sind zum Glück sehr selten und die beschriebenen Vorgehensweisen erweisen sich stehts als effektiv. In den meisten Fällen such der Bär das Weite. Große Gruppen ab sieben Personen sind grundsätzlich sehr sicher, da sie schon durch ihre Lautstärke den Bären von Weitem vertreibt.

Hält man sich an die beschriebenen Regeln und Verhaltensweisen und informiert sich vorab ausreichend, dann spricht nichts dagegen, das nächste Abenteuer im Bärengebiet zu starten. Unsere Kamtschatka-Expedition führt uns direkt dorthin. Mit diesem Wissen aus dem Blog sowie unseren erfahrenen Guides bist du nun bestens darauf vorbereitet, auch an dieser Tour teilzunehmen.
Mehr dazu? Hier geht’s zu den Rückblicken 2021: Kamtschatka Ichinsky und Kamtschatka Cape Africa

Empfohlene Beiträge
×

Wir beantworten deine Fragen.

×